Sternenspringer – Verschlungen vom Universum -
Sterne tanzten vor ihren Augen, als sie mit einem grässlichen Dröhnen im
Kopf erwachte. Für einige Sekunden dachte sie, erblindet zu sein,
aber dann schälte sich nach wiederholtem Blinzeln die Umgebung aus dem
grauen Schleier. Geschüttelt von einem heftigen Hustenanfall versuchte
sie der widerlichen Übelkeit, die sich durch ihren Magen zog, Herr zu werden.
Shana schluckte unwillig Galle herunter. Mühsam richtete sie ihren
schmerzenden Oberkörper auf, um Luft zu bekommen. Als sich ihre
Bronchien einigermaßen beruhigt hatten, sah sie sich um. Ihr Herz
klopfte immer noch rasend. Sie versuchte es zu ignorieren, doch der
Lebensmotor hatte seinen eigenen Willen und schlug überschnell in ihrer
Brust bei dem Anblick, der sich ihr bot. Ein großes Felsplateau! Steine,
Staub und die Endlosigkeit des Himmels, an dem eine riesige Sonne auf sie
hernieder brannte.
‚Ruhig Blut‘, mahnte sie sich. ‚Ganz ruhig! Du träumst nur!‘ Ihre Augen
wanderten ungläubig über den harten Fels, auf dem sie saß. Eine dicke
graue Staubschicht bedeckte ihre Finger und erinnerte Shana an Asche.
Sie schüttelte den Kopf, um das ungewohnte Bild zu verscheuchen, doch
es blieb. Dann bemerkte sie, dass sie nicht allein war. Sechs weitere
Gestalten lagen regungslos rund um sie verteilt am Boden. Ihre Arbeitskollegen.
Zwei Meter entfernt von ihr streckte Jay auf dem Bauch liegend alle
Viere von sich. In diesem Moment hob er den staubverschmierten blonden
Schopf. Mit einer Hand wischte er sich über die blauen Augen, woraufhin
graue Schlieren Stirn und Wange zierten.
"Oh, ist mir schlecht", krächzte er benommen. Er sah auf seine Hände.
"Bah, was ist das denn!" Shana kam nicht dazu, ihm zu antworten, denn
dicht neben ihm begann ihre Freundin Angie panisch nach Luft zu schnappen
und zu würgen, bevor auch sie heftig von einem Hustenanfall geschüttelt
wurde. Shana robbte zu ihr herüber. Jede Bewegung verursachte ihr Schmerzen.
Angie schaute sich irritiert um. "Was ... was ist hier denn los? Wo sind wir?"
"Keine Ahnung, Angie!", flüsterte Shana hilflos. Taumelnd halfen sie
sich gegenseitig auf die Beine und zogen auch Jay hoch.
Ziemlich ratlos begann Shana mit den Fingern ihr zerzaustes Haar zu ordnen.
‚Was ist nur geschehen?‘, überlegte sie. Langsam kamen die Erinnerungen
zurück. Der Fahrstuhl, die Kollegen darin, eine fürchterliche Erschütterung,
durch die sie in der engen Kabine schrecklich durcheinander geschleudert
worden waren, ihre Panik in dem Moment und dann? Sie musste ohnmächtig
geworden sein. Und nun waren alle sechs Kollegen und Kolleginnen, die sich
mit Shana im Fahrstuhl befunden hatten, hier auf der eigenartigen Bergplatte.
Sie sah sich um. Die Unwirklichkeit der Situation war grotesk.
"Hast du das Beben gespürt, als wir mit dem Fahrstuhl hochfuhren?",
fragte sie Coy, die gerade ihr Bein nach Verletzungen abtastete.
Die Arme reibend stand diese auf und schluckte, als ihr Blick über die
Umgebung wanderte. "Auf alle Fälle sind wir nicht dort, wo wir hinwollten.
Seht euch das an!" Ihre Stimme klang hohl. Sie wies mit ausgestrecktem
Arm in die Ferne. Einer nach dem anderen erhob sich und musterte verblüfft
den ungewohnten Anblick. Niemand brachte ein Wort über die Lippen.
"Verdammter Mist!", brach Angie schließlich das Schweigen. "Wo sind wir?"
"Wenn ich das nur wüsste", erwiderte Shana. Wie waren sie hier gelandet,
mitten auf einem etwa fünfzig Meter breiten Felsvorsprung aus schwarzem
Gestein? Das Plateau war hinter ihnen durch hohe spitze Felszinnen
halbkreisförmig eingerahmt und nur zu einer Seite offen. Unter ihnen
erstreckte sich ein weites Blätterdach unzähliger riesiger Bäume.
Das Land wellte sich wie ein Strickmuster aus grüner Wolle bis hin
zum Horizont. Ziemlich weit entfernt von ihrem Standort glitzerte eine
Vielfalt bunter Punkte, als ob die gleißenden Sonnenstrahlen sich in
Irgendetwas mosaikförmig brachen. Shana ging zum Rande des Plateaus und
sprang erschüttert zurück. Unter ihr fiel die dunkle Felswand mindestens
zweihundert Meter fast senkrecht steil ab, wie ein gieriger Schlund, der
nur darauf wartete, jeden Unvorsichtigen zu verschlingen. Der Fels bot
keinerlei Halt zum Herabklettern. Ernüchtert erkannte Shana, dass sie auf
dieser Seite nicht von dem Berg heruntergelangen konnten.
"Das hat uns noch gefehlt", flüsterte sie, während sie mit aufgerissenen
Augen das unter ihnen liegende grüne Tal musterte. Die unglaublich steile
Tiefe verursachte ein unwohles Kribbeln in ihrem Körper. Das üppige Laub
der Urwaldbäume verdeckte komplett den Boden des Waldes. Man konnte nicht
einmal ahnen, wie weit es hinunterging.
Tagawa, der Prinz der Falken und Anführer der Kriegerfalken, stand
nachdenklich neben den Sensoren auf dem Dach der Wohnkuppel und grübelte
über die Ursache des Bebens nach. Bisher hatten die Bewohner dieses Planetens,
zumindest seit er lebte und zurückdenken konnte, niemals ein Erdbeben erlebt.
Sollte seine Welt etwa bedroht sein? Kamen fremde Mächte hierher, um sie
zu unterwerfen, so wie die Spartrenen es von Zeit zu Zeit immer wieder
versuchten? War es vielleicht eine unbekannte Waffe ihrer Feinde, die das
Land in Bewegung gebracht hatte?
Er war ein Krieger, hatte geschworen, für den Frieden seines Volkes zu kämpfen,
genauso wie es auch seine ständigen Begleiter, Salamon, Rapsis und alle anderen
Kriegerfalken tun würden. Sie folgten ihm bedingungslos, weil sie seine Klugheit
und seinen Mut schätzten und sich auf ihn verließen, genau wie er sich auf sie
verließ. Er spähte zum heiligen Plateau herüber, welches sich in einiger
Entfernung aus dem Urwald erhob und hielt seine Hand wie einen Schirm
schützend vor seine Augen.
Bewegte sich dort nicht etwas? Nachdem er einige Minuten lang herübergestarrt
hatte, ohne etwas Genaueres erkennen zu können, veränderte er wiederum
seine Gestalt. Er erhob sich als Falke verwandelt elegant in die Lüfte,
kreiste über den Bäumen und gab seinen Freunden, die sich noch an einer
der Ausflugrampen befanden, mit einem hohen Schrei das Zeichen ihm zu folgen.
Er wollte sich die Sache aus der Nähe ansehen. Irgendetwas geschah dort auf
der Hochfläche.
Als sie sich dem Plateau näherten, erkannten sie dort mehrere menschlich
aussehende Lebewesen. Wie kamen sie dort hinauf? Waren es etwa Falkenmenschen?
Wut stieg in ihm auf. Wie konnten diese Kreaturen es wagen, den heiligen
Platz zu betreten?
Er umkreiste mehrmals die rotbraunen Felsen. Seine Falkenfreunde folgten
ihm. Dann verteilten sie sich auf den Felsenspitzen oberhalb der Fremden
und beobachteten sie aus der Nähe. Zwei der Fremden kamen plötzlich
neugierig näher und musterten den Vogelschwarm. Tagawa beschloss, seine
menschliche Gestalt anzunehmen, um sie zu fragen, wer sie waren und wie
sie auf das Plateau kamen. Danach wollte er sie gefangen nehmen, weil
sie die heilige Stätte des Falkenvolkes mit ihrer Anwesenheit beschmutzt
hatten. Entschlossen flog er auf sie zu, landete und stand im selben
Augenblick als Mensch vor ihnen. Seine vier Kameraden folgten seinem
Beispiel ohne zu fragen. Groß und stark bauten sie sich vor den fremden
Wesen auf, um sie weiter einzuschüchtern.
Erschrocken wichen Shana und Angie zurück. Sie hatten nicht damit gerechnet,
dass die Falken direkt vor ihnen landen würden. Als dann plötzlich fünf
ausgewachsene kräftige Männer mit Krummsäbeln und grimmigen Gesichtern vor
ihnen standen, flüchteten sie nochmals mehrere Schritte nach hinten zu den
anderen, bis sie fast an die Felswand stießen.
Chaosnadel - Der Beginn
Ein stechender Schwefelgeruch kroch durch die schattenhafte Finsternis. Phosphorene Dämpfe spiegelten sich in der gekräuselten Oberfläche der unterirdischen Therme. Schritt für Schritt tastete sich Sirina mit ihrem Leuchtstab über Geröll. An der Wasserkante war der Geruch kaum noch zu ertragen. Sie band sich ihr Halstuch vor Mund und Nase.
Die Griechischstudentin verbrachte zur Zeit auf der Halbinsel Sirmione ihren langersehnten Urlaub. An der Ruinenmauer der Grotte di Catullo war ihr ein durchdringender Geruch aufgefallen. Sie hatte die Efeuranken zur Seite geschoben und dahinter einen dunklen Gang entdeckt.
Im Museum der Anlage gab es zwar Pläne der ehemaligen Villa, doch keine Aufzeichnungen über diese Öffnung. Am späten Abend war sie zur Ruine zurückgeschlichen. Sie wollte erkunden, was hinter den Kletterpflanzen lag. Der niedrige Tunnel hatte sie schräg bergab in diese faszinierende Höhle geführt.
Sirina ließ den Strahl des Leuchtstabes langsam über die Wände der Grotte gleiten. Plötzlich zuckte sie zusammen. Was war das? Was hing dort vor der gegenüberliegenden Wand? Als sie sich näherte, erkannte sie eine alte, mit Grünspan bedeckte Kette, an derem Ende schwebte knapp über der Wasseroberfläche ein langer glitzernder Stift. Das musste sie sich vom Dichten ansehen! Sie wagte einen Sprung zu einem schmalen Sims über das Wasser, rutschte jedoch auf dem feuchten Stein aus und konnte sich gerade noch in die Unebenheiten der Felsen krallen. Erleichtert pustete sie den Atem aus.
Die unglaubliche Entdeckung in Form einer kristallenden Nadel hing nun direkt vor ihr. Die Spitze blinkte metallisch. Das Erstaunlichste jedoch war, dass sie sich trotz des wirbelnden Wasserdampfes, in den sie gehüllt war, nicht bewegte, obwohl das untere Ende genau auf den Punkt im Wasser zeigte, wo die Quelle am kräftigsten sprudelte.
Sirina beugte sich vorsichtig vor und strich leicht über den Kristall. Seine Oberfläche fühlte sich eiskalt an und gab bei der Berührung einen hohen Ton von sich. Wie elektrisiert lief ihr ein Schauer über den Rücken.
"Was haben Sie hier denn zu suchen?"
Der italienische Ausruf fuhr ihr durch Mark und Knochen. Sie verlor das Gleichgewicht, ruderte mit den Armen, fiel fast in die brodelnde Brühe und rettete sich in letzter Sekunde, in dem sie sich mit dem Rücken gegen die Felswand warf. In der Nähe vernahm sie eilige Schritte. Ein Lichtkegel traf ihr Gesicht. In ihrer Not, nicht wieder abzurutschen, brüllte sie wütend auf deutsch zurück:
"Sind Sie verrückt geworden, mich so zu erschrecken? Nehmen Sie diese verdammte Lampe weg!"
Der Kegel senkte sich tatsächlich. Sie hörte ein Seufzen.
"Na, kommen Sie, ich helfe Ihnen zurück."
Die Stimme klang deutlich freundlicher und der Mann, dem sie gehörte, sprach jetzt ebenfalls deutsch. Im Schein ihrer Leuchtröhre, die sie am Gürtel befestigt hatte, erschien eine Hand. Sirina griff danach und ließ sich hinüber auf den feuchten Speckstein ziehen.
"Was treiben Sie hier bloß? Sind Sie lebensmüde?" Seine Stimme klang verständnislos.
Sirina hob ihr Licht und musterte den Überraschungsbesuch. Er war etwa in ihrem Alter und trug eine abgetragene Wächteruniform. Sie runzelte die Stirn.
"Wer sind Sie?"
"Ich bin der Museumswächter, Vittorio Briselli."
Chaosnadel - Im Atem des Vulkans
Weinende Kinder in den Armen von Frauen, alte Menschen auf Steinen sitzend, die Luft mit beißendem Schwefelgeruch geschwängert, die Straßen voll Ascheschlamm und der Himmel milchig verdunkelt. Das war nur ein Teil der Bilanz nach dem verheerenden Vulkanausbruch, der, von schweren Erdbeben begleitet, mindestens zwei Randbezirke Catanias betroffen hatte.
Manfred stand neben seinem Auto am Straßenrand, in der Hand eine Wasserflasche. Er schaute düster auf die Autoschlange, die sich träge an ihm vorbeiwälzte. Viele der Einwohner flüchteten. Der Vulkan schien zwar nicht mehr ganz so heftig zu reagieren, doch die Angst stand den Menschen in den Gesichtern geschrieben.
In diesem Moment tauchte Aric mit verschwitztem Gesicht neben ihm auf. Der Geophysiker war laufend in Kontakt mit seinen Kollegen rund um den Ätna. Sie sollten jede Veränderung des Vulkans an eine zentrale Leitstelle melden.
"Oberhalb von Nicolosi hat es eben einen Durchbruch der Magma gegeben!", keuchte er. "Ich soll die Leute dort beim Messen der Frequenzen unterstützen. Fährst du mich hin?"
"Oh! Du meinst, wir kommen hier durch?" Missmutig wies Manfred auf die verstopfte Straße.
"Thomas hat mir auf dem Plan eine Nebenroute gezeigt. Die können wir benutzen", erwiderte der Freund.
Manfred schraubte achselzuckend die Wasserflasche zu. Besser, als hier zu stehen, war es allemal, dachte er grimmig. "In Ordnung, versuchen wir es!"
Die breiten Reifen des Wagens gruben sich durch den puddingweichen Untergrund den Berg hinauf. Es war durchaus kein angenehmes Gefühl, im Auto zu sitzen, denn auch hier spürten sie die Vibrationen des Bodens.
Aric wies in Richtung Osten.
"He! Ist das nicht Nigel?"
Geschwind kletterte er über die bizarren Lavabrocken zu seinem Freund hin. Als er neben ihm stand, wollte ihm fast der Atem stocken.
"Oh mein Gott!"
Bei diesen Worten drehte sich Nigel zu ihm herum. Das Weiße seiner Augen stach hell aus dem rußgeschwärzten Gesicht heraus, was ihm das Aussehen eines halbverhungerten Landstreichers gab. Er wies mit dem Kopf auf eine mehrere Meter breite heiße Schuttlawine unter ihnen, die sich auf die, nicht weit entfernten Steinhäuser des Dorfes Nicolosi zuwälzte.
Eine Gasfontäne zischte an Arics Kopf vorbei und spieh glühende Erdbrocken aus. Mit einem Aufschrei rollte er sich zur Seite und bedeckte schützend die Augen. Nigel kroch auf allen Vieren einige Meter von der Erdspalte weg.
Plötzlich brach mit dumpfen Poltern ein Stück des Bodens an der Stelle ab, wo er sich gerade aufrichten wollte. Er rutschte bäuchlings das Gefälle hinunter, bis er sich an einigen aufgeheizten Felsbrocken festklammern konnte.
Aric robbte an die Felskante und starrte verzweifelt in den Abgrund. Es war zu tief. Er konnte Nigel nicht erreichen.
"Ich hole Manni!", brüllte Aric in den Krach des donnernden Vulkans hinein. "Mit dem Auto und einem Seil können wir dich heraufziehen!"
In diesem Augenblick sackte der Vorsprung weg, auf dem er lag. Er stürzte dem glühenden Fluss in der neu entstandenen Senke entgegen, rutschte über Steine und scharfen Bims, schlug sich die Stirn an irgendetwas Hartem und landete schließlich auf einem flachen Felsen, ein ganzes Stück unterhalb von Nigel, direkt neben der Geröllglut.
Er hatte nicht einmal schreien können, stattdessen schmeckte er Blut, gemischt mit Staub und Kiesel und spürte jeden Knochen im Leib. Beißender Schwefelgeruch lähmte seine Lungen. Hustend richtete er sich von dem wankenden Boden auf. Die Hitze schien ihm die Gesichtshaut zu verbrennen. Mit einem Arm vor dem Gesicht rückte er bis an die steil ansteigende Spaltenwand zurück.
Er sah hinauf zu seinem Freund. Ein bestürzter Blick traf ihn.
Dann bemerkte er eine Bewegung am oberen Rand des Abgrunds. Es war Manfred.
"Oh nein", flüsterte Aric. "Lass nicht auch noch ihn abstürzen."
Sekunden später verschwand Manfred.
Aric wandte sich dem dahinschiebenden Lavastrom zu. Seine aufgerissenen Knöchel pochten, die Haut schien zu explodieren, genauso wie sein Kopf.
Die glühenden Gesteinsplacken tanzten unter flimmernden Schwaden. Formen und Figuren wirbelten in der fauchenden Satansglut. Flammende Schwerter stiegen aus ihr hervor ...
`Bleib bei Sinnen, Aric', mahnte sein Unterbewusstsein. ‚Du musst hier weg!'
Mühsam stemmte er sich an der Felswand empor und suchte nach Vorsprüngen zum Klettern. Immer wieder brach das lockere Gestein unter seinen Füßen weg. Schließlich sackte er keuchend in sich zusammen.
Die Anstrengungen waren umsonst. Er würde den Aufstieg nicht schaffen. Er fuhr sich mit der Zunge über die Brandblasen auf seinen Lippen.
‚Wie lange werde ich diese Hitze überstehen können, ehe sich meine Haut vom Körper schält?' dachte er niedergeschlagen.
Seine gereizten Augenlider wurden schwer. Das hämmernde Geräusch in seinem Schädel schwoll an. Er kippte nach vorne und fiel auf die Hände, ergriffen von unaufhörlichem Husten. Der Hauch des Feuerteufels hüllte ihn ein. Sprühglut umtanzte ihn. Mit dem letzten Funken klaren Denkens stützte er sich ab, um nicht in das gierig zündelnde Gestein zu fallen.
Plötzlich zuckte er zusammen. Im Strom der Lava war jemand. Zwei Augen schauten zwischen rotglühenden Felsbrocken hervor, aus einem flammenden Gesicht.
Aric verkrampfte sich vor Schreck. War so das Sterben? Das Ersticken an giftigen Gasen? Atmete er überhaupt noch? Zwanghaft hob er eine seiner angeschwollenen Hände. Er wollte das Gesicht in der Lava berühren, dieses Engelsantlitz, das ihm das Ende seiner körperlichen Qualen versprach.
Doch dann schlang sich etwas um seinen Bauch und um seine Schultern. Schwerelos hob sich sein Körper in die Höhe, entfernte ihn von dem erhofften Seelenheil. Schwarzer Qualm kroch in seine Lungen. Er röchelte voller Entsetzen. Die Hölle! Jetzt kam er in die Hölle! Er schloss endgültig die Augen. Komischerweise verspürte er keine Angst, nur Erleichterung, denn die siedende Hitze schwächte sich etwas ab. Mit einem Mal wurde er auf eine schwankende Unterlage gezogen. Etwas drückte auf seinen Mund und seine Nase.
Sauerstoff! Hastig sog er die erleichternde Luft in die Lungen. Immer wieder schüttelten ihn Hustenkrämpfe. Schweißüberströmt öffnete er schließlich die Augen. Durch eine Nebelwand hörte er eine Stimme, verstand jedoch nicht, was sie sagte. Ein ohrenbetäubender Lärm hing in der Luft.
Dumpf registrierte er, dass er sich in einem Hubschrauber befand.