Leseproben

Sternenspringer – Verschlungen vom Universum - | Sternenspringer - Illusion der Sehnsucht -
Outgirl - Nick und Jamon | Outgirl - Shadow-Flyer | Chaosnadel - Der Beginn | Chaosnadel - Im Atem des Vulkans


Sternenspringer – Verschlungen vom Universum -
Sterne tanzten vor ihren Augen, als sie mit einem grässlichen Dröhnen im Kopf erwachte. Für einige Sekunden dachte sie, erblindet zu sein, aber dann schälte sich nach wiederholtem Blinzeln die Umgebung aus dem grauen Schleier. Geschüttelt von einem heftigen Hustenanfall versuchte sie der widerlichen Übelkeit, die sich durch ihren Magen zog, Herr zu werden. Shana schluckte unwillig Galle herunter. Mühsam richtete sie ihren schmerzenden Oberkörper auf, um Luft zu bekommen. Als sich ihre Bronchien einigermaßen beruhigt hatten, sah sie sich um. Ihr Herz klopfte immer noch rasend. Sie versuchte es zu ignorieren, doch der Lebensmotor hatte seinen eigenen Willen und schlug überschnell in ihrer Brust bei dem Anblick, der sich ihr bot. Ein großes Felsplateau! Steine, Staub und die Endlosigkeit des Himmels, an dem eine riesige Sonne auf sie hernieder brannte.
‚Ruhig Blut‘, mahnte sie sich. ‚Ganz ruhig! Du träumst nur!‘ Ihre Augen wanderten ungläubig über den harten Fels, auf dem sie saß. Eine dicke graue Staubschicht bedeckte ihre Finger und erinnerte Shana an Asche. Sie schüttelte den Kopf, um das ungewohnte Bild zu verscheuchen, doch es blieb. Dann bemerkte sie, dass sie nicht allein war. Sechs weitere Gestalten lagen regungslos rund um sie verteilt am Boden. Ihre Arbeitskollegen.
Zwei Meter entfernt von ihr streckte Jay auf dem Bauch liegend alle Viere von sich. In diesem Moment hob er den staubverschmierten blonden Schopf. Mit einer Hand wischte er sich über die blauen Augen, woraufhin graue Schlieren Stirn und Wange zierten.
"Oh, ist mir schlecht", krächzte er benommen. Er sah auf seine Hände. "Bah, was ist das denn!" Shana kam nicht dazu, ihm zu antworten, denn dicht neben ihm begann ihre Freundin Angie panisch nach Luft zu schnappen und zu würgen, bevor auch sie heftig von einem Hustenanfall geschüttelt wurde. Shana robbte zu ihr herüber. Jede Bewegung verursachte ihr Schmerzen. Angie schaute sich irritiert um. "Was ... was ist hier denn los? Wo sind wir?" "Keine Ahnung, Angie!", flüsterte Shana hilflos. Taumelnd halfen sie sich gegenseitig auf die Beine und zogen auch Jay hoch.
Ziemlich ratlos begann Shana mit den Fingern ihr zerzaustes Haar zu ordnen. ‚Was ist nur geschehen?‘, überlegte sie. Langsam kamen die Erinnerungen zurück. Der Fahrstuhl, die Kollegen darin, eine fürchterliche Erschütterung, durch die sie in der engen Kabine schrecklich durcheinander geschleudert worden waren, ihre Panik in dem Moment und dann? Sie musste ohnmächtig geworden sein. Und nun waren alle sechs Kollegen und Kolleginnen, die sich mit Shana im Fahrstuhl befunden hatten, hier auf der eigenartigen Bergplatte. Sie sah sich um. Die Unwirklichkeit der Situation war grotesk. "Hast du das Beben gespürt, als wir mit dem Fahrstuhl hochfuhren?", fragte sie Coy, die gerade ihr Bein nach Verletzungen abtastete. Die Arme reibend stand diese auf und schluckte, als ihr Blick über die Umgebung wanderte.
"Auf alle Fälle sind wir nicht dort, wo wir hinwollten. Seht euch das an!" Ihre Stimme klang hohl. Sie wies mit ausgestrecktem Arm in die Ferne. Einer nach dem anderen erhob sich und musterte verblüfft den ungewohnten Anblick. Niemand brachte ein Wort über die Lippen. "Verdammter Mist!", brach Angie schließlich das Schweigen. "Wo sind wir?"
"Wenn ich das nur wüsste", erwiderte Shana. Wie waren sie hier gelandet, mitten auf einem etwa fünfzig Meter breiten Felsvorsprung aus schwarzem Gestein? Das Plateau war hinter ihnen durch hohe spitze Felszinnen halbkreisförmig eingerahmt und nur zu einer Seite offen. Unter ihnen erstreckte sich ein weites Blätterdach unzähliger riesiger Bäume. Das Land wellte sich wie ein Strickmuster aus grüner Wolle bis hin zum Horizont. Ziemlich weit entfernt von ihrem Standort glitzerte eine Vielfalt bunter Punkte, als ob die gleißenden Sonnenstrahlen sich in Irgendetwas mosaikförmig brachen. Shana ging zum Rande des Plateaus und sprang erschüttert zurück. Unter ihr fiel die dunkle Felswand mindestens zweihundert Meter fast senkrecht steil ab, wie ein gieriger Schlund, der nur darauf wartete, jeden Unvorsichtigen zu verschlingen. Der Fels bot keinerlei Halt zum Herabklettern. Ernüchtert erkannte Shana, dass sie auf dieser Seite nicht von dem Berg heruntergelangen konnten.
"Das hat uns noch gefehlt", flüsterte sie, während sie mit aufgerissenen Augen das unter ihnen liegende grüne Tal musterte. Die unglaublich steile Tiefe verursachte ein unwohles Kribbeln in ihrem Körper. Das üppige Laub der Urwaldbäume verdeckte komplett den Boden des Waldes. Man konnte nicht einmal ahnen, wie weit es hinunterging.

Tagawa, der Prinz der Falken und Anführer der Kriegerfalken, stand nachdenklich neben den Sensoren auf dem Dach der Wohnkuppel und grübelte über die Ursache des Bebens nach. Bisher hatten die Bewohner dieses Planetens, zumindest seit er lebte und zurückdenken konnte, niemals ein Erdbeben erlebt. Sollte seine Welt etwa bedroht sein? Kamen fremde Mächte hierher, um sie zu unterwerfen, so wie die Spartrenen es von Zeit zu Zeit immer wieder versuchten? War es vielleicht eine unbekannte Waffe ihrer Feinde, die das Land in Bewegung gebracht hatte?
Er war ein Krieger, hatte geschworen, für den Frieden seines Volkes zu kämpfen, genauso wie es auch seine ständigen Begleiter, Salamon, Rapsis und alle anderen Kriegerfalken tun würden. Sie folgten ihm bedingungslos, weil sie seine Klugheit und seinen Mut schätzten und sich auf ihn verließen, genau wie er sich auf sie verließ. Er spähte zum heiligen Plateau herüber, welches sich in einiger Entfernung aus dem Urwald erhob und hielt seine Hand wie einen Schirm schützend vor seine Augen.
Bewegte sich dort nicht etwas? Nachdem er einige Minuten lang herübergestarrt hatte, ohne etwas Genaueres erkennen zu können, veränderte er wiederum seine Gestalt. Er erhob sich als Falke verwandelt elegant in die Lüfte, kreiste über den Bäumen und gab seinen Freunden, die sich noch an einer der Ausflugrampen befanden, mit einem hohen Schrei das Zeichen ihm zu folgen. Er wollte sich die Sache aus der Nähe ansehen. Irgendetwas geschah dort auf der Hochfläche.
Als sie sich dem Plateau näherten, erkannten sie dort mehrere menschlich aussehende Lebewesen. Wie kamen sie dort hinauf? Waren es etwa Falkenmenschen? Wut stieg in ihm auf. Wie konnten diese Kreaturen es wagen, den heiligen Platz zu betreten?
Er umkreiste mehrmals die rotbraunen Felsen. Seine Falkenfreunde folgten ihm. Dann verteilten sie sich auf den Felsenspitzen oberhalb der Fremden und beobachteten sie aus der Nähe. Zwei der Fremden kamen plötzlich neugierig näher und musterten den Vogelschwarm. Tagawa beschloss, seine menschliche Gestalt anzunehmen, um sie zu fragen, wer sie waren und wie sie auf das Plateau kamen. Danach wollte er sie gefangen nehmen, weil sie die heilige Stätte des Falkenvolkes mit ihrer Anwesenheit beschmutzt hatten. Entschlossen flog er auf sie zu, landete und stand im selben Augenblick als Mensch vor ihnen. Seine vier Kameraden folgten seinem Beispiel ohne zu fragen. Groß und stark bauten sie sich vor den fremden Wesen auf, um sie weiter einzuschüchtern.


Erschrocken wichen Shana und Angie zurück. Sie hatten nicht damit gerechnet, dass die Falken direkt vor ihnen landen würden. Als dann plötzlich fünf ausgewachsene kräftige Männer mit Krummsäbeln und grimmigen Gesichtern vor ihnen standen, flüchteten sie nochmals mehrere Schritte nach hinten zu den anderen, bis sie fast an die Felswand stießen.


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Sternenspringer - Illusion der Sehnsucht -
Die großen Schwingen des Falken berührten fast die Baumwipfel, bevor er sich erschöpft auf einem etwas dickeren Ast im oberen Bereich einer uralten Eiche niederließ. Er zog die Flügel an seinen Körper und begann sein staubiges Gefieder zu putzen. Seit über zwei Monaten war nun kein Regen mehr in den kanadischen Wäldern gefallen. Es war Anfang Juni, doch bereits so heiß wie im tiefsten Juli oder August. Die Vegetation wie auch die Tiere des Waldes warteten sehnsüchtig auf eine erfrischende Abkühlung.
Nachdem der Falke seine morgendliche Reinigung hinter sich gebracht hatte, erhob er sich erneut in den grellen Sommerhimmel und zog seine Kreise. Mit scharfem Blick überwachte er die Gegend. Seit einigen Stunden klangen von weitem ungewöhnliche Geräusche zu ihm herüber. Seine ausgeprägten Sinne warnten ihn vor der Gefahr, doch die Neugier war größer. Er flog in die Richtung, um die Ursache der Störung zu erforschen. Etwa einige hundert Meter unter sich bemerkte er eine Gruppe Männer mit Gewehren.
Als diese den Falken erblickten, hoben sie die Waffen und schossen wild in seine Richtung. Der Vogel versuchte auszuweichen, schlug stärker mit den Flügeln, um aus der Gefahrenzone zu entkommen. Plötzlich streifte ein Geschoss den Flügelbereich des Falken. Er musste all seine Kraft zusammennehmen, um nicht abzustürzen. Geschwind ließ er sich seitlich herübertreiben und verschwand einige hundert Meter weiter zwischen dichten Baumkronen. Hier stand am Abhang eines Hügels eine kleine Blockhütte, gut versteckt und kaum wahrzunehmen. Der Falke landete auf der Bank vor der Hütte. Im selben Moment, als der Vogel die Bank berührte, saß dort stattdessen eine Frau. Sie war sehr schlank und hatte langes helles Haar. Ihr Gesicht war vom Schmerz verzerrt, denn die linke Schulter blutete stark.
Mit zusammengebissenen Zähnen erhob sie sich von der Bank, drückte die Tür des Blockhauses mit der unversehrten Schulter auf, während sie mit der rechten Hand den linken Arm stützte und schob sich durch den Spalt der schweren Eichentür ins Dunkel der Hütte. Schnell verriegelte sie diese von innen und ließ sich stöhnend auf ein Lager aus Stroh fallen, über das eine Decke ausgebreitet war.
Inzwischen schwärmten die Jäger aus. Sie suchten nach dem Falken. Es waren sechs Männer. Bärtig, braungebrannt und kräftig gebaut glichen sie eher Holzfällern als Touristen. Dass sie beides nicht waren, würde jemand, der zufällig lauschte, sofort erkennen.
"Ross", brummte der eine barsch. "Nimm dir zwei Männer und such die Gegend nahe des Wasserfalles ab. Ich gehe mit Hugh und Flight in die andere Richtung. Irgendwo muss das verdammte Vieh gelandet sein." "Ok, Smitty! Kommt Leute, gehen wir! Achtet auf Blutspuren, wir haben ihn getroffen. Er kann nicht weit sein!" Ross stakste breitbeinig los. "Und wer passt auf die anderen Vögel auf?" Flight, ein kleiner untersetzter Endfünfziger mit grauen lichtem Haar wies auf einen Stapel Gitterkisten, in denen bereits mindestens neun verschiedene Raubvögel gefangen waren.
"Na gut", antwortete der erste Kerl, "bleib mit Ron hier und pass auf das Gefieder auf. Ich denke, wir sind schnell zurück. War übrigens ein besonders schönes Exemplar, der letzte Bursche, Leute. Wäre schade, wenn wir den nicht finden!"
"Ich habe ihn schon oft hier in den Bergen gesehen, doch er war meist nach kurzer Zeit wieder verschwunden, noch ehe ich mein Gewehr bereit hatte", meinte Ross beim Weitergehen zu Howard. Sie stiegen den ansteigenden schmalen Waldweg hinauf, laufend ins Unterholz spähend. Doch nirgends konnten sie den Falken entdecken. Vor einem dichten Gestrüpp blieb Howard ruckartig stehen. "Hier, sieh mal, Blutspuren!", raunte er seinem Kumpel zu. Dieser bückte sich und untersuchte die wenigen Flecken auf dem Boden. "Frisch!" Er erhob sich und blickte lauernd um sich. "Er muss hier irgendwo sein." Plötzlich entdeckten sie mehrere Meter schräg über ihren Köpfen einen strauchbewachsenen Abhang, an dessen oberem Ende in einer kleinen Felseinbuchtung eine morsche Blockhütte stand.


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Outgirl - Nick und Jamon
Die Sonne war im Begriff unterzugehen, dachte er verzweifelt, denn die wärmenden Strahlen, welche sein Gesicht fast mütterlich besorgt streichelten, färbten sich bereits rötlichviolett.
Dann würde unwiderruflich die Dunkelheit kommen und er war mit seinen Händen und Füßen an diesen grässlichen Elektrozaun gefesselt. Es handelte sich lediglich um eine Galgenfrist, die verging bis es soweit war, dass sich die, in seine Handgelenke schneidenden Schnüre, unter seinem Körpergewicht von den eisernen Stäben des Zaunes lösten. Dies war ihm in den letzten Stunden so klar geworden wie ihm noch nie etwas klarer gewesen war.
Unter ihm, er schätzte mindestens vier Meter tiefer, glänzte der nackte Asphalt der Begrenzungsanlage des hiesigen Wassersperrwerkes gleich eines schwarz erkalteten Lavastromes. Der Damm schwang sich in Form eines gewaltigen Wulstes aus glatt gemeißeltem Teer, auf fünf Metern Breite, rund um ein riesiges Becken. Hier plätscherten Unmengen Regenwasser in seichten Wellen, das wiederum, irgendwann zu Trinkwasser verarbeitet, die trockenen Kehlen tausender Lebewesen erquicken sollte.
Die Stauanlage befand sich auf einem dicht bewaldeten Hügel inmitten des Sachsenwaldforstes. Sie war umgeben von rötlichorange anmutenden Laubbäumen, zwischen denen sich stattliche dunkelgüne Fichten wie schlanke Riesen emporhoben, unbekümmert des einsetzenden Herbstwetters, dessen Kälte und Stürme die Blättertragenden in Mitleidenschaft gezogen hatte. An einer Stelle des Wasserbeckens gingen sechs breite Zementgräben ab, die mit mehreren Staustufen durchsetzt waren. Sie mündeten, verhältnismäßig steil bergab, in einem großen Fluss. Einer der seltenen Jahrhundertregen, mit sintflutartigen Regenfällen, hatte in den vergangenen Tagen den Wasserstand im Becken so stark anschwellen lassen, dass derzeit ein tosend schäumender Wasserfall durch die Gräben talwärts tobte, um das, bis zum Rande gefüllte Becken von der überschüssigen Last zu befreien. Gleichzeitig jedoch erzeugte diese gewaltige Flut durch ihre Kraft in den angeschlossenen Turbinen neuen Strom für die naheliegende Großstadt und das Umland. Gierig schluckte der breite Fluss, mit dem Namen Elbe, die feuchten Massen. Sein Weg hatte bereits im Elbsandsteingebirge begonnen. Nun strebte er mit geschwollenen Ufern der breiten Mündung in der Nordsee zu.


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Outgirl - Der Shadow-Flyer
"Ein tolles Fluggerät", flüsterte er Jamon zu. "Diese Organisation muss über eine fortgeschrittene Technik verfügen." Jamon nickte. Er war wie berauscht von dem Tempo, obwohl man im Inneren des Fliegers körperlich kaum die immense Geschwindigkeit spürte.
"Kurs setzen auf 85° alpha 604-20.03 dicht an die Pheripherie", ordnete Adia in diesem Augenblick an.
"Kurs ist gesetzt", bestätige Trudan.
"Tarnvorrichtung einschalten!" Wieder war es Adia, die mit knappen Worten ihre Befehle gab.
"Tarnvorrichtung steht!"
"Tarnvorrichtung?" Nick schüttelte verwirrt den Kopf und tauschte mit Jamon einen Blick des Unverständnisses aus.
"Wir haben noch zwanzig Sekunden bis Punkt Zero!", meldete Isabel.
"Omega-Antriebe hochfahren!“, befahl Adia.
Das brummende Geräusch nahm zu.
"Countdown zum Start in zwölf Sekunden!" Adia´s befehlsgewohnte Stimme übertönte den nun doch stärker gewordenen Motorenlärm. "Zehn-neun-acht-sieben-sechs-fünf-vier-drei-zwei-eins-Zero und Start!"
Achmed zog den Steuerknüppel hoch. Seine Augen glichen kleinen Schlitzen, aber auf seinem Gesicht spiegelte sich zum ersten Mal seit Beginn des Fluges ein Lächeln, wie Nick staunend bemerkte.
"Yieiiiiii.....!", rief Trudan. "Haltet euch fest Leute. Jetzt geht es los!"
Er lachte, während er mehrere Knöpfe auf der Konsole drückte und wie ein Klavierspieler darauf herumklopfte.
Plötzlich wurden sie von einer zur anderen Sekunden in die Sitze gepresst. Nick blieb fast die Luft weg. Er schluckte, denn irgend etwas in seinem Magen versuchte sich seinen Weg nach oben zu bahnen. Er wollte schreien, doch brachte keinen Ton heraus. Seine Finger krallten sich in die Lehnen und als er den Kopf ein wenig in Richtung Jamon und Peer wandte, bemerkte er, dass es diesen beiden wohl ähnlich gehen musste. Sie klammerten sich ebenfalls an ihre Sessel.
"Oh, wie ich diese Starts hasse!", stieß Peer zwischen den zusammengebissenen Zähnen hervor.
"Und du hast uns nicht mal gewarnt!", beschwerte sich Nick, während er die Luft aus seinen Lungen presste. "Das ist ja schlimmer als Achterbahn fahren!"
"Hätte das etwas geändert?"
"Nein, wahrscheinlich nicht. Aber wieso dieser Steilstart. Wir waren doch nun wirklich schon schnell genug?"


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Chaosnadel - Der Beginn
Ein stechender Schwefelgeruch kroch durch die schattenhafte Finsternis. Phosphorene Dämpfe spiegelten sich in der gekräuselten Oberfläche der unterirdischen Therme. Schritt für Schritt tastete sich Sirina mit ihrem Leuchtstab über Geröll. An der Wasserkante war der Geruch kaum noch zu ertragen. Sie band sich ihr Halstuch vor Mund und Nase. Die Griechischstudentin verbrachte zur Zeit auf der Halbinsel Sirmione ihren langersehnten Urlaub. An der Ruinenmauer der Grotte di Catullo war ihr ein durchdringender Geruch aufgefallen. Sie hatte die Efeuranken zur Seite geschoben und dahinter einen dunklen Gang entdeckt. Im Museum der Anlage gab es zwar Pläne der ehemaligen Villa, doch keine Aufzeichnungen über diese Öffnung. Am späten Abend war sie zur Ruine zurückgeschlichen. Sie wollte erkunden, was hinter den Kletterpflanzen lag. Der niedrige Tunnel hatte sie schräg bergab in diese faszinierende Höhle geführt. Sirina ließ den Strahl des Leuchtstabes langsam über die Wände der Grotte gleiten. Plötzlich zuckte sie zusammen. Was war das? Was hing dort vor der gegenüberliegenden Wand? Als sie sich näherte, erkannte sie eine alte, mit Grünspan bedeckte Kette, an derem Ende schwebte knapp über der Wasseroberfläche ein langer glitzernder Stift. Das musste sie sich vom Dichten ansehen! Sie wagte einen Sprung zu einem schmalen Sims über das Wasser, rutschte jedoch auf dem feuchten Stein aus und konnte sich gerade noch in die Unebenheiten der Felsen krallen. Erleichtert pustete sie den Atem aus. Die unglaubliche Entdeckung in Form einer kristallenden Nadel hing nun direkt vor ihr. Die Spitze blinkte metallisch. Das Erstaunlichste jedoch war, dass sie sich trotz des wirbelnden Wasserdampfes, in den sie gehüllt war, nicht bewegte, obwohl das untere Ende genau auf den Punkt im Wasser zeigte, wo die Quelle am kräftigsten sprudelte. Sirina beugte sich vorsichtig vor und strich leicht über den Kristall. Seine Oberfläche fühlte sich eiskalt an und gab bei der Berührung einen hohen Ton von sich. Wie elektrisiert lief ihr ein Schauer über den Rücken. "Was haben Sie hier denn zu suchen?" Der italienische Ausruf fuhr ihr durch Mark und Knochen. Sie verlor das Gleichgewicht, ruderte mit den Armen, fiel fast in die brodelnde Brühe und rettete sich in letzter Sekunde, in dem sie sich mit dem Rücken gegen die Felswand warf. In der Nähe vernahm sie eilige Schritte. Ein Lichtkegel traf ihr Gesicht. In ihrer Not, nicht wieder abzurutschen, brüllte sie wütend auf deutsch zurück: "Sind Sie verrückt geworden, mich so zu erschrecken? Nehmen Sie diese verdammte Lampe weg!" Der Kegel senkte sich tatsächlich. Sie hörte ein Seufzen. "Na, kommen Sie, ich helfe Ihnen zurück." Die Stimme klang deutlich freundlicher und der Mann, dem sie gehörte, sprach jetzt ebenfalls deutsch. Im Schein ihrer Leuchtröhre, die sie am Gürtel befestigt hatte, erschien eine Hand. Sirina griff danach und ließ sich hinüber auf den feuchten Speckstein ziehen.
"Was treiben Sie hier bloß? Sind Sie lebensmüde?" Seine Stimme klang verständnislos. Sirina hob ihr Licht und musterte den Überraschungsbesuch. Er war etwa in ihrem Alter und trug eine abgetragene Wächteruniform. Sie runzelte die Stirn. "Wer sind Sie?" "Ich bin der Museumswächter, Vittorio Briselli."


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Chaosnadel - Im Atem des Vulkans
Weinende Kinder in den Armen von Frauen, alte Menschen auf Steinen sitzend, die Luft mit beißendem Schwefelgeruch geschwängert, die Straßen voll Ascheschlamm und der Himmel milchig verdunkelt. Das war nur ein Teil der Bilanz nach dem verheerenden Vulkanausbruch, der, von schweren Erdbeben begleitet, mindestens zwei Randbezirke Catanias betroffen hatte. Manfred stand neben seinem Auto am Straßenrand, in der Hand eine Wasserflasche. Er schaute düster auf die Autoschlange, die sich träge an ihm vorbeiwälzte. Viele der Einwohner flüchteten. Der Vulkan schien zwar nicht mehr ganz so heftig zu reagieren, doch die Angst stand den Menschen in den Gesichtern geschrieben. In diesem Moment tauchte Aric mit verschwitztem Gesicht neben ihm auf. Der Geophysiker war laufend in Kontakt mit seinen Kollegen rund um den Ätna. Sie sollten jede Veränderung des Vulkans an eine zentrale Leitstelle melden. "Oberhalb von Nicolosi hat es eben einen Durchbruch der Magma gegeben!", keuchte er. "Ich soll die Leute dort beim Messen der Frequenzen unterstützen. Fährst du mich hin?" "Oh! Du meinst, wir kommen hier durch?" Missmutig wies Manfred auf die verstopfte Straße. "Thomas hat mir auf dem Plan eine Nebenroute gezeigt. Die können wir benutzen", erwiderte der Freund. Manfred schraubte achselzuckend die Wasserflasche zu. Besser, als hier zu stehen, war es allemal, dachte er grimmig. "In Ordnung, versuchen wir es!" Die breiten Reifen des Wagens gruben sich durch den puddingweichen Untergrund den Berg hinauf. Es war durchaus kein angenehmes Gefühl, im Auto zu sitzen, denn auch hier spürten sie die Vibrationen des Bodens. Aric wies in Richtung Osten. "He! Ist das nicht Nigel?" Geschwind kletterte er über die bizarren Lavabrocken zu seinem Freund hin. Als er neben ihm stand, wollte ihm fast der Atem stocken. "Oh mein Gott!" Bei diesen Worten drehte sich Nigel zu ihm herum. Das Weiße seiner Augen stach hell aus dem rußgeschwärzten Gesicht heraus, was ihm das Aussehen eines halbverhungerten Landstreichers gab. Er wies mit dem Kopf auf eine mehrere Meter breite heiße Schuttlawine unter ihnen, die sich auf die, nicht weit entfernten Steinhäuser des Dorfes Nicolosi zuwälzte. Eine Gasfontäne zischte an Arics Kopf vorbei und spieh glühende Erdbrocken aus. Mit einem Aufschrei rollte er sich zur Seite und bedeckte schützend die Augen. Nigel kroch auf allen Vieren einige Meter von der Erdspalte weg. Plötzlich brach mit dumpfen Poltern ein Stück des Bodens an der Stelle ab, wo er sich gerade aufrichten wollte. Er rutschte bäuchlings das Gefälle hinunter, bis er sich an einigen aufgeheizten Felsbrocken festklammern konnte. Aric robbte an die Felskante und starrte verzweifelt in den Abgrund. Es war zu tief. Er konnte Nigel nicht erreichen. "Ich hole Manni!", brüllte Aric in den Krach des donnernden Vulkans hinein. "Mit dem Auto und einem Seil können wir dich heraufziehen!" In diesem Augenblick sackte der Vorsprung weg, auf dem er lag. Er stürzte dem glühenden Fluss in der neu entstandenen Senke entgegen, rutschte über Steine und scharfen Bims, schlug sich die Stirn an irgendetwas Hartem und landete schließlich auf einem flachen Felsen, ein ganzes Stück unterhalb von Nigel, direkt neben der Geröllglut. Er hatte nicht einmal schreien können, stattdessen schmeckte er Blut, gemischt mit Staub und Kiesel und spürte jeden Knochen im Leib. Beißender Schwefelgeruch lähmte seine Lungen. Hustend richtete er sich von dem wankenden Boden auf. Die Hitze schien ihm die Gesichtshaut zu verbrennen. Mit einem Arm vor dem Gesicht rückte er bis an die steil ansteigende Spaltenwand zurück. Er sah hinauf zu seinem Freund. Ein bestürzter Blick traf ihn. Dann bemerkte er eine Bewegung am oberen Rand des Abgrunds. Es war Manfred. "Oh nein", flüsterte Aric. "Lass nicht auch noch ihn abstürzen." Sekunden später verschwand Manfred. Aric wandte sich dem dahinschiebenden Lavastrom zu. Seine aufgerissenen Knöchel pochten, die Haut schien zu explodieren, genauso wie sein Kopf. Die glühenden Gesteinsplacken tanzten unter flimmernden Schwaden. Formen und Figuren wirbelten in der fauchenden Satansglut. Flammende Schwerter stiegen aus ihr hervor ... `Bleib bei Sinnen, Aric', mahnte sein Unterbewusstsein. ‚Du musst hier weg!' Mühsam stemmte er sich an der Felswand empor und suchte nach Vorsprüngen zum Klettern. Immer wieder brach das lockere Gestein unter seinen Füßen weg. Schließlich sackte er keuchend in sich zusammen. Die Anstrengungen waren umsonst. Er würde den Aufstieg nicht schaffen. Er fuhr sich mit der Zunge über die Brandblasen auf seinen Lippen. ‚Wie lange werde ich diese Hitze überstehen können, ehe sich meine Haut vom Körper schält?' dachte er niedergeschlagen. Seine gereizten Augenlider wurden schwer. Das hämmernde Geräusch in seinem Schädel schwoll an. Er kippte nach vorne und fiel auf die Hände, ergriffen von unaufhörlichem Husten. Der Hauch des Feuerteufels hüllte ihn ein. Sprühglut umtanzte ihn. Mit dem letzten Funken klaren Denkens stützte er sich ab, um nicht in das gierig zündelnde Gestein zu fallen. Plötzlich zuckte er zusammen. Im Strom der Lava war jemand. Zwei Augen schauten zwischen rotglühenden Felsbrocken hervor, aus einem flammenden Gesicht. Aric verkrampfte sich vor Schreck. War so das Sterben? Das Ersticken an giftigen Gasen? Atmete er überhaupt noch? Zwanghaft hob er eine seiner angeschwollenen Hände. Er wollte das Gesicht in der Lava berühren, dieses Engelsantlitz, das ihm das Ende seiner körperlichen Qualen versprach. Doch dann schlang sich etwas um seinen Bauch und um seine Schultern. Schwerelos hob sich sein Körper in die Höhe, entfernte ihn von dem erhofften Seelenheil. Schwarzer Qualm kroch in seine Lungen. Er röchelte voller Entsetzen. Die Hölle! Jetzt kam er in die Hölle! Er schloss endgültig die Augen. Komischerweise verspürte er keine Angst, nur Erleichterung, denn die siedende Hitze schwächte sich etwas ab. Mit einem Mal wurde er auf eine schwankende Unterlage gezogen. Etwas drückte auf seinen Mund und seine Nase. Sauerstoff! Hastig sog er die erleichternde Luft in die Lungen. Immer wieder schüttelten ihn Hustenkrämpfe. Schweißüberströmt öffnete er schließlich die Augen. Durch eine Nebelwand hörte er eine Stimme, verstand jedoch nicht, was sie sagte. Ein ohrenbetäubender Lärm hing in der Luft. Dumpf registrierte er, dass er sich in einem Hubschrauber befand.


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